zurück zur Textübersicht

Rätsel der Menschheit

Mystischen Orten auf der Spur

Sie sind Zeugen einer unbekannten Vergangenheit: Trotz modernster archäologischer Methoden und jahrhunderte langer wissenschaftlicher Recherchen haben sie ihre Geheimnisse bis heute bewahrt: Stonehenge, die Pyramiden oder die langohrigen Steinriesen auf den Osterinseln – was ist dran an den Legenden und Mythen, die mit Ihnen verbunden werden? Fünf dieser rätselhaften Orte werden hier vorgestellt.

Wenn Steine sprechen könnten

Rätsel der Menschheit

Diente es den steinzeitlichen Ackerbauern zur Vorhersage der Jahreszeiten, war es ein religiöser Versammlungsort oder gar ein prähistorisches Observatorium? Die Wissenschaft kann sich bis heute keinen rechten Reim auf das kreisförmige Steinmonument im Süden Englands machen.

An Faszination hat die vor Jahrtausenden von Menschenhand geschaffene Steinformation im Süden Englands nichts verloren: Jahr für Jahr pilgert eine dreiviertel Million Touristen in die Grafschaft Wiltshire, nahe der Stadt Salisbury. Bis zu 4,80 Meter hoch und bis zu 80 Tonnen schwer sind die 32 Steine der Anlage. Ein äußerer Steinkreis ist durch Oberschwellen miteinander verbunden. In seiner Mitte befinden sich fünf Steintore. Sie sind hufeisenförmig angeordnet und öffnen sich genau nach Nordosten. Im Zentrum steht ein einzelner grüner Sandsteinblock, der „Altarstein“.

Bedeutendstes Megalithmonument

Stonehenge gilt als das bedeutendste Megalithmonument Großbritanniens. Die Megalithkultur war eine jungsteinzeitliche Hochkultur in Westeuropa. Als Megalithen werden große, oft unbehauene Steinblöcke bezeichnet, die in Form von Steinkreisen, Steinalleen oder als einzelne Steine aufgestellt wurden.

Stonehenge wurde so intensiv erforscht wie kaum ein anderes Bauwerk. Die Steine bewahrten dennoch bis heute ihr Geheimnis. Einzig das Alter der Anlage konnte mit Hilfe der Radiokarbonmethode zur Datierung archäologischer Funde relativ eindeutig bestimmt werden: Sie entstand in drei Bauabschnitten von etwa 3000 bis 1000 vor Chr. Wie die Felsen in die flache Heidelandschaft gelangten und wie es die steinzeitlichen Erbauer schafften, die Steine aufeinander zu stapeln, bleibt genauso ungeklärt wie die Frage nach ihrer Bedeutung. Astronomen, Archäologen und interessierte Laien stellen bis heute wahrscheinliche und weniger wahrscheinliche Theorien auf.

Prähistorischer Kalender oder Landeplatz für UFOs

Stonehenge könnte ein Versammlungsort für religiöse Zeremonien gewesen sein oder ein Kultzentrum zur Verehrung der Sonne, so die Theorie einiger Forscher. Da die Steine nach den Positionen der Sonnenwende und der Tagundnachtgleiche angeordnet sind, nehmen andere an, dass sich um ein altertümliches Observatorium handelte. Stonehenge sei eine Art Kalender gewesen und hätte zur Vorhersage der verschiedenen Jahreszeiten anhand der Stellungen von Sonne und Mond zur Erde gedient.
Auch Druiden, die Priester- und Seherkaste der Kelten, sind als Erbauer in der Diskussion – nicht umsonst wurde Stonehenge zum Wallfahrtsort selbsternannter Druiden der Neuzeit. Weniger wissenschaftliche Bewunderer bringen Stonehenge mit der Sage um König Artus in Verbindung. Die Bedeutung des Steinmonuments liege nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft – so die These der kreativsten Deuter: Stonehenge sei mit Hilfe von Außerirdischen gebaut worden. Oder eine andere Hochkultur mit sehr weitem und gutem Wissen, sogar technologischem Wissen habe diese Megalithanlage gebaut.

Geheimnisvolle Steinriesen

Rätsel der Menschheit

Haushohe Steinskulpturen, die „Moai“ bewachen seit Jahrhunderten die Küsten der abgelegensten Inseln der Welt. Welchem Zweck die menschenähnlichen Figuren dienten, ob sie Götter oder Vorfahren symbolisieren – bis heute haben die Riesen ihr Geheimnis bewahrt.

Stumme Zeugen der Geschichte

Die Moai sind die größten menschlichen Bildnisse, die je von Hand geschaffen wurden. Beeindruckend und fremdartig blicken sie auf den Betrachter herunter: Die Figuren aus vulkanischem Tuffstein sind fünf bis neun Meter hoch. Das größte, unvollendete Exemplar sollte unglaubliche 20 Meter in die Höhe ragen. Über 1000 der Figuren mit der charakteristischen länglichen Kopfform, den langen Ohrläppchen, den großen Nasen und dem steinernen Hut sollen in vergangenen Zeiten die Insel gesäumt haben. Heute stehen nur noch wenige als stumme Zeugen der Geschichte an ihrem Platz, der Großteil liegt umgestoßen und zerbrochen mit dem Gesicht auf der Erde. Mit einfachen Keilen wurden die bis zu 80 Tonnen schweren Kolosse aus dem Stein gehauen. Wie sie von den Lavasteinbrüchen kilometerweit an die Küste transportiert und dort aufgestellt wurden, bleibt ein Rätsel.

Isoliert vom Rest der Welt

Um 400 n. Chr., so nehmen Forscher an, soll es einer kleinen Gruppe Polynesier als erster gelungen sein, mit Segelbooten die einsame Insel im Pazifischen Ozean zu erreichen. Auf Grund der isolierten Lage – das südamerikanische Festland ist 3700 Kilometer entfernt – lebten sie über ein Jahrtausend in völliger Abgeschiedenheit. Eine autarke Kultur entstand.

Die Osterinseln umfassen 170 Quadratkilometer, verteilt auf vier Inseln. „Rapa Nui“ nennen die Bewohner sich selbst, ihre Sprache und ihr Land. Ihren offiziellen Namen verdanken sie Jakob Roggeveen, der am Ostersonntag des Jahres 1722 das Eiland von seinem Schiff aus entdeckte. Der niederländische Forscher fand eine blühende Inselkultur vor – die Zahl der Bewohner schätzte er auf 20 000. Als 52 Jahre später der berühmte Kapitän James Cook die Insel anlief, bot sich ihm ein völlig anderes Bild: Nur noch wenige Menschen lebten verstreut und verängstigt in unzugänglichen Höhlen. Die Steingiganten lagen zerstört am Boden.

Rätselhaftes Schicksal der Rapa Nui

Ob eine Naturkatastrophe oder eine Epidemie schuld am Untergang waren oder ob der stetig wachsenden Bevölkerung die Nahrungsmittel ausgingen – die Wissenschaft ist dem Schicksal der Rapa Nui noch nicht auf die Spur gekommen.
Die Legende besagt, dass es früher auf den Inseln zwei Volksstämme gab: Die „Langohren“ und die „Kurzohren“. Bei einem erbitterten Krieg um die Vormachtstellung auf den Inseln töteten die „Kurzohren“ ihre Widersacher – von kannibalistischen Exzessen ist die Rede. Als Zeichen ihres Triumphes zerstörten sie mit den „Moai“ die Herrschaftssymbole der „Langohren“.

Am Schnittpunkt der Traumpfade

Rätsel der Menschheit

348 Meter hoch, 3600 Meter lang, 2400 Meter breit – wie eine Insel ragt er aus der unwirtlichen, sandigen Ebene des australischen Outback empor: Der Ayers Rock oder Uluru gilt als Wahrzeichen Australiens – den Ureinwohnern ist er heilig: Hier kreuzen sich die mythischen Traumpfade.

„Rotes Herz“ nennen die Australier den Sandsteinfelsen, der in etwa die geografische Mitte ihres Kontinents markiert. Die Eisenoxidverbindungen im Gestein lassen ihn je nach Sonnenstand orange, flammend rot, purpurrot, violett oder braun aufleuchten. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, das jedes Jahr Millionen von Touristen in seinen Bann zieht.

Zum Unwillen der Aborigines vom Stamm der Anangu, die seit Jahrtausenden am Fuß des Berges leben. Seinen europäischen Namen „Ayers Rock“ bekam der Felsen erst 1873. William Goose, Vermessungsingenieur und Entdecker benannte ihn damals nach dem Premierminister von Südaustralien, Sir Henry Ayers.

30 000 Jahre alte Höhlenmalerei

Uluru, „schattiger Platz“ heißt er seit jeher in der Sprache der Ureinwohner – und seit jeher ist er ein heiliger Ort, an dem religiöse Zeremonien abgehalten werden. Höhlenzeichnungen, die teilweise älter als 30 000 Jahre sind, zeugen davon. Jede Spalte, Höhle und Wasserstelle auf der zerklüfteten Oberfläche des mythischen Berges hat ihre Bedeutung. Manche sind so heilig, dass nicht einmal über sie gesprochen werden darf.

Nach dem Schöpfungsmythos der Aborigines, der so genannten „Traumzeit“, war die Erde zunächst eine leere Ebene. Dann erwachten die Ahnen aus ihrem Schlaf unter der Erdoberfläche und formten Menschen, Tiere und die Landschaft. Der Uluru entstand, als die Regenbogenschlange sich tief unter der Erde aufrichtete und dabei einen Stein an die Oberfläche schob. Die mythischen Wesen gingen ein in das, was sie erschaffen hatten und wurden so eins mit der Welt. Am Uluru kreuzen nach dem Glauben der Ureinwohner zahlreiche Traumzeit-Pfade, durch die die heiligen Orte auf dem ganzen Kontinent verbunden sind.

Die Rache des Uluru

Mittlerweile ist das Gebiet um den Uluru ein Nationalpark. Anangu und Regierungsvertreter führen ihn gemeinsam. Streitpunkt ist nach wie vor die Besteigung des Felsens. Dass Touristen das Heiligtum mit Füßen treten, stört nach Aborigenes-Glauben die Spiritualität des Ortes erheblich. Ein unfassbares Sakrileg ist es für die Ureinwohner auch, wenn Besucher Steine des heiligen Felsens als Souvenirs mit nach Hause nehmen.
Doch hier scheint sich der Uluru zu rächen: So hält sich die Legende, dass die entwendeten Steine Unglück bringen. Täglich gehen bei den Rangern des Nationalparks Päckchen und Briefe ein, indem verzweifelte Absender darum bitten, man möge doch die beiliegenden Steine an ihren ursprünglichen Platz zurücklegen. Kaum ist dies geschehen, scheint das Unglück tatsächlich von den Steinedieben abzulassen – so steht es zumindest in zahlreichen Dankesbriefen.

Weltwunder am Nil

Rätsel der Menschheit

Als Bauherr der größten Pyramide des alten Ägyptens setzte sich Pharao Cheops schon zu Lebzeiten ein Denkmal. Stolze 146 Meter ragte sie ursprünglich in die Höhe – ihre Grundfläche beträgt 230 auf 230 Meter. In der Antike galt die Cheops-Pyramide als eines der sieben Weltwunder.

Kaum hatte der zweite Herrscher der 4. Dynastie der ägyptischen Pharaonen den Thron bestiegen, als er um 2467 vor Christus den Grundstein für sein Grabmal legte. Das bis dahin größte Bauwerk der Menschheit sollte den Totengott Osiris gnädig stimmen und dem Pharao ein Weiterleben im Jenseits im Kreis der Götter ermöglichen.

Über vier Jahrtausende blieb das Bauwerk, für das etwa 6,5 Millionen Tonnen Kalkstein verbaut wurden, das höchste der Welt. Erst 1439 wurde es durch das Straßburger Münster mit 143 Metern Höhe übertroffen.

Wunder der damaligen Technik

Wie die alten Ägypter diese technische Höchstleitung bewerkstelligen konnten, ist den Forschern bis heute ein Rätsel. Das Rad war noch nicht erfunden, ebenso wenig wie Hebel oder Kräne. Wie also schafften es die Bauarbeiter, die bis zu 2,5 Tonnen schweren Steinquader zu transportieren, geschweige denn übereinander zu stapeln? In einer Zeit, in der nur Kupfer- und Steinwerkzeuge bekannt waren, müssen die Architekten des Pharaos zudem über ausgezeichnete mathematische Kenntnisse verfügt haben. So erforderte die exakte Absteckung der Seitenflächen eine hohe Messgenauigkeit. Der Eingang der Cheops-Pyramide ist genau auf den nördlichen Himmelspol ausgerichtet – auch dazu war Präzisionsarbeit nötig.

An die 100 000 Arbeiter seien am Bau der Pyramide beteiligt gewesen, schätzte der antike Geschichtsschreiber Herodot. Über Jahre schufteten sie bis zur Selbstaufgabe im Schichtbetrieb auf der überdimensionalen Baustelle ihres Herrschers. Der Lohn für die Plackerei, die zahlreiche von ihnen mit dem Leben bezahlten: die Aussicht, zusammen mit dem Pharao ein Stück Unsterblichkeit zu erhaschen.

Mit Hilfe von Maschinen, „hergestellt aus kurzen Holzblöcken“, sei das Bauwerk in Lagen mit geformten Stufen errichtet worden – wusste Herodot weiter zu berichten. Was genau mit dieser Beschreibung gemeint war, darüber zerbrechen sich die Ägyptologen nach wie vor den Kopf. Darüber hinausreichende Aufzeichnungen sind nicht erhalten.

Steine mit Geschichte

Rätsel der Menschheit

Die Steine wurden in Schiffen über den Nil transportiert und vom Ufer vermutlich mit hölzernen Schlitten über einen steinernen Damm zum Bauplatz gezogen. Die Mehrzahl der Ägyptologen geht davon aus, dass die Steinquader dann über eine lange Rampe an ihren Bestimmungsort geschafft wurden. Je höher die Pyramide wurde, umso mehr musste die Rampe verlängert werden.
Eine Verkleidung aus polierten Kalksteinplatten ließ die Cheops-Pyramide ursprünglich in der Sonne erstrahlen. Im Laufe der Jahrhunderte fielen die Steine jedoch herunter oder wurden für den Häuserbau in Kairo entwendet. Heute ist ein Vorort der Millionenmetropole Kairo, rund 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, direkt an der Pyramidenstraße „Scharia el-Ahram“.

Rätselhafte Zeichen im Sand

Rätsel der Menschheit

Die Nasca-Linien in Peru zählen zu den berühmtesten Hinterlassenschaften der Vorzeit. Immer wieder sind die mythischen Figuren und geometrischen Bodenbilder Anlass für wilde Spekulationen.

Die Atacama-Wüste im Südwesten von Peru ist ein trockener, heißer und lebensfeindlicher Ort. Und trotzdem gibt es dort eine Hochebene, die von zahlreichen Tieren und Menschen bevölkert ist. Kolibris, Spinnen, Greifvögel, Äffchen, Menschen mit Flügeln und Schnurrhaaren findet man dort. Allerdings nicht in Fleisch und Blut, sondern als riesige Sandbilder im trockenen Wüstenboden. Geoglyphen nennen Archäologen diese jahrhundertealten, rätselhaften Kunstwerke, den sie sehen aus wie Hieroglyphen in der Erde ("geo" = griechisch für Erde).Entdeckt wurden die geheimnisvollen Gemälde im Sand bereits vor über 80 Jahren. Seither rätseln Forscher über Ursprung, Sinn und Zweck der Geoglyphen. Wer hat sie erschaffen? Und warum? Welche unbekannte Kultur konnte so komplizierte geometrische Formen erbauen - ohne Kontrollblick aus der Luft? Denn Flugzeuge gab es damals noch nicht.

Nur aus der Luft sichtbar

Wahrscheinlich sind die Bilder schon vor über 1000 Jahren in den Boden gescharrt worden. Die Menschen, die die Bilder in den Sand "gemalt" haben, werden Nasca genannt. Nach einem kleinen peruanischen Städtchen, in dessen Nähe die ersten Fundstätten lagen. Die Spekulationen, wozu die Nasca - Menschen die Geoglyphen geschaffen haben, waren teils schon sehr exotisch. Mal wurden sie als Zeichen für unterirdische Wasservorkommen gedeutet, mal als Kalender für besonders gute Pflanz- und Erntezeiten. Und Ufo-Forscher sehen in ihnen Landemarkierungen und göttliche Grußzeichen für außerirdische Raumschiffe.

Ganz neue Erkenntnisse

Vor einigen Jahren startete auch ein deutsches Team von Archäologen ins weit entfernte Peru um das Wunderwerk Nasca zu untersuchen. Mehr Klarheit und Wissenschaftlichkeit wollten sie in die wilden Spekulationen und Gerüchte bringen. Und tatsächlich gelangen den deutschen Forschern Funde, die früheren Entdeckern verborgen blieben.

In der Nähe der Geoglyphen, im Tal des Flusses "Rio Grande" fanden sie Hinterlassenschaften der Menschen, die die Bilder in der Wüste erschufen. Sie entdeckten uralte Gräber, die Grundrisse von Siedlungen, Pyramiden, Tempelbauten, Scherben von Geschirr, Schmuck und auch Textil- und Knochenreste. Beweise dafür, dass die Nasca nicht nur ein einfaches Volk von Bauern waren, wie bis dahin angenommen, sondern über eine hochentwickelte Kultur verfügten.

Lesen im Sand

In den Funden einer Ausgrabung können Archäologen "lesen", wie wir in einem Buch. Sie vergleichen die Fundstücke mit solchen von anderen Fundorten, interpretieren Wandgemälde und Keramikverzierungen, bestimmen mit chemischen und physikalischen Methoden das Alter der Fundstücke und der Knochenreste. So entsteht das Bild einer uralten Kultur, von der bisher kaum etwas bekannt war. So entstand auch die neueste und wahrscheinlichste Theorie über die Geoglyphen von Nasca.

Die Nasca lebten in der fruchtbaren Region um den Strom des Rio Grande. Mais, Kürbis, Bohnen und Maniok bauten die Nasca-Bauern an. Lamas, Meerschweinchen, Fische und Muscheln brachten Abwechslung in den Speiseplan. So konnten sie in der sonst trockenen und öden Wüste überleben.

Irgendwann verließen die Nasca aber ihre fruchtbare Heimat fluchtartig, packten alles, was nicht niet- und nagelfest war, zusammen und verließen die Hochebene. Nur warum ist noch nicht sicher. Die Forscher glauben, dass es damals sintflutartige Regenfälle auf der Hochebene gab, die die Nasca - Kultur sozusagen weggeschwemmt haben.

Gnadenlose Götter? Und die Geoglyphen? Die Forscher des deutschen Teams glauben inzwischen, dass sie der Besänftigung der Götter dienten, zum Schutz vor Naturgewalten. Sollte das wahr sein, waren sie nicht sehr erfolgreich. Denn die Kultur der Nasca ist nach ihrer Blütezeit wie vom Erdboden verschwunden.

Nasca wird trotz der verschiedenen Theorien ein Rätsel bleiben, da das Ausmass und die Menge der Geoglyhen die Vorstellungen unserer Zeit heute noch übersteigt.

Vorzeiträtsel – die uns verunsichern

Rätsel der Menschheit

Rätselhaft

„Rätsel“ - ein unscharfer Begriff, wie der verschwommene Begriff „Vorzeit“, die sich laut der klassischen Wissenschaft, von der Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit bis zu frühen Hochkulturen erstreckt. Jeder Archäologe, der irgendwo auf der Welt die bislang unbekannten Überreste alter Gemäuer oder Scherben irgendwelcher Artefakte entdeckt, kann meist auch nicht auf Anhieb sagen, ob der Fund nun in eine bestimmte Epoche fällt. Zuerst steht er vor einer Fülle offener Fragen. Diese Fragen sind von besonderer Bedeutung, da sie sich aus historischer Sicht nicht oder nicht eindeutig beantworten lassen oder zumindest kontrovers diskutiert werden. Solchen „Rätseln“ begegnen wir in der schriftlosen Ära von der Stein- bis zur Eisenzeit ebenso wie in bisher wenig erforschten und deshalb weitgehend unbekannten Hochkulturen.

Die fünf vorgestellten mystischen Orte der Erde sind gute Beispiele für diese Rätsel, wo wir die Antwort noch nicht kennen. Dafür kann es viele verschiedene Gründe geben. Rätselhaft sind diese Stätten, da alle trotz intensivster Forschung noch nicht genug bzw. gründlich erforscht sind. Sowohl Stonehenge, die Linien von Nasca, die Osterinsel-Steinriesen, die Pyramiden und der australische Ayers Rock sind so rätselhafte Orte, dass sie alle trotz Forschung einem Puzzelspiel mit ansehbaren, interessantem Mosaik ergeben. So oder so könnte es gewesen sein. Nein, so muss es gewesen sein. Genauso spekulieren und streiten sich die Fachgelehrten und rütteln oftmals an Denkmodellen, was auch in die Forschung gehört. Allerdings können wir Artefakte aus unserer modernen Sicht nicht immer sinnvoll erklären. Hier kann es nützlich sein, sich mit dem spirituellen Weltbild der Urheber auseinanderzusetzen und dieses selbst nachzuvollziehen. Ein solches Vorgehen ist heute unter den Archäologen völlig unüblich, die meisten versuchen vielmehr, alles sachlich nicht Erklärbare kurzerhand als religiös und magisch motiviert einzuordnen.

Ein Archäologe, der in einigen Jahrtausenden unsere christlichen Kirchen ausgräbt, wird in ihnen natürlich religiöse Kultstätten erkennen und herausfinden, dass hier ein Gekreuzigter als Gott verehrt wurde. Es wird für ihn aber rätselhaft bleiben, warum die Menschen in einer ihm nur schwer verständlichen, aber offenbar hoch wissenschaftlichen aufgeklärten Zeit einen Leichnam angebetet haben.

Neue Denkmodelle

Rätsel diese Art führen oft zu Streitigkeiten unter den Forschern, etwa dann, wenn sich hinsichtlich des Befundes Archäologen, Geologen und Ingenieure uneins sind. Da es in der archäologischen Forschung „Missing Links“ gibt, können schlüssige Interpretationen schwer fallen und Rätsel der Vorzeit werden zu Fantasie anregenden Projekten, die mit unkonventionellen Denkmodellen betrachtet werden. Warum nicht?

Der zu seiner Zeit unbekannte Autor und Wissenschaftler Erich von Däniken setzte sich 1968 mit vielen dieser ungelösten Rätsel auseinander indem er sich allen möglichen Fragen stellte. Damit lehnte er sich gegen starre Denkmuster auf, gegen rigide Forschungsverbote und überkommene Wissensvermittlung. Er wollte mit seinem ersten Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ ein neues Denkmodell in das rein naturwissenschaftliche Vorgehen der Archäologie hineindrücken indem er ganz provokant schrieb: „Neue Denkmodelle brauchen neue Maßstäbe (…) Betreten wir also unbefangen und voller Neugier die unbekannte Welt des Unwahrscheinlichen!“

Fragezeichen???

„Welchem Zweck (…) dienten die Linien von Nasca?“, fragte Erich von Däniken damals und schlug weit blickend vor: „Die Identifizierung kann nicht mehr allein Sache der Archäologen sein. Schon ein Konsilium von Wissenschaftlern verschiedener Forschungsgebiete würde uns mit Sicherheit der Lösung des Rätsels näher bringen: Austausch und Gespräche würden sicher klärende Assoziationen auslösen.“ Es würde nicht nur gegraben und automatische Zuordnungen zu irgendwelchen archäologischen Kategorien stattfinden. Dass diese Linien allein der Anbetung von Göttern diente, schließt von Däniken aus, da die Wüstenzeichnungen und Gebilde zu sehr auf das Auge aus der Luft bzw. von Oben zielen.

Rätsel der Menschheit

Dazu wurde eine Ansammlung von magnetischen Unmöglichkeiten und elektrische Widerstände von unüblichem Ausmass mit hohem Anteil Arsen in den Sedimenten ermitteln und gemessen. Die Funde wirbelten wiederholt ein großes Fragezeichen mit neuem Ansatz in die Wissenschaft der Vergangenheit. Warum und wie ist das möglich sind die Hauptfragen. Wie man an diesem Rätsel der Nasca-Wüste sieht, sind mehrere Denkansätze verbunden mit verschiedenen Techniken wichtig für weitere Schritte zu neuen Erkenntnissen.

Neue Erkenntnisse ergaben sich auch bei Untersuchungen der Pyramiden. Nachdem bekannte Wissenschaftler und Spezialisten mehrere Jahre unterwegs zu den auf der Erde verstreuten Pyramiden waren und auf ihren Reisen neue Entdeckungen machten, die bis in die Tiefe der Mathematik, Astronomie, Religion und Bautechnik ging, kamen die Wissenschaftler bei ihrem Einblick in die Vergangenheit auf besondere Enthüllungen und ungeahnte Zusammenhänge der weltweit gebauten außergewöhnlichen Bauwerke. Die Baumeister der kolossalen Bauwerke hatten weit mehr als vermutet besondere mathematische und astronomische Kenntnisse, die wir heute nur mit dem Taschenrechner ausrechnen können. Dazu müssen die Baumeister scheinbar auch über besondere technische Hilfsmittel verfügt haben, sonst hätten diese Bauwerke nicht so wie sie strukturiert worden sind, gebaut werden können. Das alte Bild der Ägypter geriet ins Wanken. Die konventionelle Archäologie deutete diese Erkenntnisse aber als Zufälle, die nicht von großer Bedeutung seien und somit in einer Ablageschublade landeten.

Rätsel der Menschheit

Abenteuerliche Gedanken

Neue Funde können von grundlegender Bedeutung sein und so wie von Däniken überdenken heute viele Forscher bei solchen Rätseln die etablierten geltenden wissenschaftlichen Lehrmeinungen. Und dabei tauchen natürlich neue Fragen auf. Ein Spatenstich in der Wüste oder ein mathematisch perfekter Bauplan der Cheops-Pyramide können gewaltige Erschütterungen auslösen und die gesamte Wiege der Kultur um Tausende von Kilometern oder um einige Jahrtausende verlagern. Genau das ist in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten mehrfach geschehen.

Ob wir Besuch aus dem Weltall hatten, wie von Däniken mit anderen Wissenschaftlern vermutet, oder vergangene untergegangene Hochkulturen über eine unbekannte Hightechnik verfügten, wissen wir nicht, ist aber nicht auszuschließen, da wir keine Beweise gegen diese abenteuerlichen Gedanken haben.

Man könnte sagen, dass unsere Vergangenheit heute in heftigster Bewegung ist. Und es bleibt spannend, in welche Richtung diese Bewegung unser Bild, das wir von den vorzeitlichen und frühzeitlichen Kulturen haben, noch führen wird.

Susanne Dorndorf, 3sat/ZDFinfo 2013


 

zurück zur Textübersicht

 

 

^